12.Mar.2018

Axolotl

Zusammen mit meiner Frau habe ich drei kleine Babys. Ursprünglich waren es mal vier, jedoch ist einer mutmaßlich an einem Hirntumor gestorben. Wir haben zwei weibliche und ursprünglich zwei männliche Axolotl. Es handelt sich dabei um mexikanische Molche, welche in vielerlei Hinsicht ziemlich cool sind. Ihr fragt euch warum? Das möchte ich euch im folgenden gerne erzählen:

Der Name Axolotl ist aztekisch und bedeutet 'Wassermonster'. Und genau dass sind sie auch. Molche wachsen genau wie Fische ein Leben lang. Diese Art wird bis zu 30 cm groß und bei guter Haltung und entsprechenden Umständen bis zu 25 Jahre alt. Aber es sind keine ganz normalen Molche. Ein gewöhnlicher Molch wächst im Ei heran und entwickelt sich zu einer Kaulquappe. Dieser wachsen nach und nach Vorder- und Hinterfüße, drei Paar Kiemen und ein Ruderschwanz, der sich über einen großen Teil des Rückens erstreckt. Auf dem Weg zur Geschlechtsreife entwickeln sich aber die Kiemen sowie der ausgeprägte Ruderschwanz wieder zurück und die Tiere entwickeln Lungen und gehen auch an Land. Sie leben aber immer amphibisch. Sie müssen also immer feucht bleiben und halten sich in der Regel immer in der Nähe von Wasser oder auch zeitweise im Wasser auf.

Das Besondere an Axolotl ist, das sie eine so genannte Neotenie aufweisen. Das heißt, sie entwickeln ihre Geschlechtsreife und auch Lungen im juvenilen (jugendlichen) Stadium. Die Entwicklung stagniert an dieser Stelle. Sie sind somit rein aquatisch, können aber dennoch ihre Lunge nutzen und Luft an der Oberfläche holen, was sie auch gelegentlich machen. Für eine Weiterentwicklung fehlt ihnen ein bestimmtes Enzym, welches den Prozess in Gang wirft. Würde man es ihnen verabreichen, würden sie sich auch zu normalen adulten - also erwachsenen, Molchen entwickeln. Jedoch sehen sie dann nicht mehr so niedlich aus und sind aufgrund der amphibischen Lebensweise auch schwerer zu halten. Aber das coolste ist, dass sie extrem regenerativ sind. Wenn sie eine Kieme oder gar ein Bein verlieren, wenn sie sich gegenseitig schnappen, können sie diese komplett regenerieren. Sogar teile vom Gehirn sind regenerierbar. Zum Glück gab es aber bei uns noch keinen Gliedmaßenverlust.

Diese Lauerjäger fressen eigentlich alles was sich vor ihrer Nase bewegt und irgendwie in ihr Maul und ihren Magen passt. Teilweise ist es äußerst erstaunlich, was dort alles reinpasst. Aber ihr absolutes Lieblingsfutter sind Krebstiere, wie zum Beispiel Garnelen. Es ist auch ihr natürliches Futter. Da wir aber noch nicht so viel Erfolg mit einer Garnelenzucht hatten, bekommen sie von uns verschiedene Fischsorten aus dem Gefrierschrank und wenn die Angelsaison läuft, bekommen sie gelegentlich ein paar Regenwürmer. Zudem haben wir ein zweites kleineres Becken in dem wir Guppys und braune Antennenwelse züchten, welche wir gelegentlich, wenn es zu eng wird, zu den Axolotl ins größere Becken übersetzen.
Die eigentliche Heimat der Axolotl beschränkt sich auf den Texcoco-See bei Mexiko City. Früher war der See riesen groß und die Azteken haben Axoltol als einfache Speise genutzt. Auch in neuerer Zeit wurden sie wohl gegessen, jedoch stehen sie inzwischen unter striktem Naturschutz. Durch Landgewinnung und Verschmutzung ist der See inzwischen so stark geschrumpft, dass er in drei kleinere Seen zerfallen ist. Sie besitzen selbst zusammengenommen nur noch einen Bruchteil der früheren Fläche. Nun gibt es in freier Wildbahn noch geschätzte 700 Individuen der Axolotl und auch diese sind aufgrund der starken Wasserverschmutzung alles andere als sicher.

Unsere kleinen Monster heißen Cora, Lotte und Jack. Monti, was von Montezuma kommt ist leider verstorben. Montezuma ist der spanische Name für Moctezuma, welcher ein Aztekischer Herrscher war. Sie sind total niedlich und äußerst gefräßig. Durch ihr Saugschnappen kann es auch vorkommen, dass sie mal den halben Finger im Mund haben. Aber sie besitzen keine richtigen Zähne, wodurch sich ihr 'beißen' eher wie Sandpapier anfühlt. Entgegen zu diversen vorhergehenden Versuchen Fische mit ihnen in einem Becken zu halten, fressen sie unsere Guppies nicht sofort weg, wodurch jetzt auch der ein oder andere Fisch bei ihnen im Aquarium schwimmt. Am süßesten sind sie, wenn sie frontal aus aus dem Gebüsch schauen. Ich glaube dass sie das Modell für den Drachen 'Ohnezahn' aus dem Film 'Drachenzähmen leicht gemacht' waren. Die Ähnlichkeit ist auf jeden Fall nicht zu übersehen. In der Vergangenheit hatten wir auch schon einige Male Nachwuchs. Allerdings hatten wir weder den Platz noch die Zeit uns um eine Zucht zu kümmern, weshalb die Babies früher oder später alle gefressen wurden. Seit allerdings Monti gestorben ist, der auch noch zu Lebzeiten leicht behindert war (er schwamm etwas koordinierungslos), gab es bisher auch keine Eier mehr. Das legt die Vermutung nahe, dass Jack möglicherweise steril ist. Dies kann leicht passieren, da alle Axolotl die man als Haustiere bekommen kann auch langen Zuchtlinien entstanden sind, welche in der Regel eine hohe Inzuchtrate haben.

Im Jahr 2016 haben wir noch etwas Zuwachs bekommen. Die Züchterin, von der wir unsere Lotl bekommen haben, ist nach Neuseeland umgezogen und wollte ihre übrigen Tiere nicht dem Stress der Quarantäne aussetzen. Wir haben uns deshalb kurzer Hand entschlossen die Halbgeschwistern unserer kleinen Monster zu adoptieren. Leider haben sie wohl irgendeine Krankheit eingeschleppt. Sie selbst hatten keinerlei Probleme oder Symptome, aber unsere drei sind trauriger Weise gestorben. Damit sind wir nun wieder nur bei dreien. Sie heißen Genny und Tancred und ihre gemeinsame Tochter Pinky. Die beiden Weibchen sind weiße Axolotl. Tancred ist ein Wildtyp, wie unsere bisherigen.
Pinky hatte jedoch auch einige gesundheitliche Probleme und ist leider auch gestorben.

Wir wollen jetzt, wenn unsere beiden Großen nochmal Eier legen, einige neue Babies großziehen.

Hier ein paar Bilder der kleinen Unterwasserdrachen (jetzt auch einige Bilder unserer neuen Axoltol):

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